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Röhrentester für E und P Röhren



Nachbau des Testers von Harald  Feistauer


Historische Röhrentester werden zu Phantasie-Preisen im Internet gehandelt. Bei Preisen von über 800.-Euro kann man schon über einen Selbstbau nachdenken. Mehr Geräte wird es zukünftig auch nicht geben, deshalb ist von steigenden Preisen auszugehen.
Die historischen Tester sind bis auf wenige Ausnahmen Emissionstester. D.h. die Röhre wird nur so ungefähr auf ihre Funktionsfähigkeit getestet. Wenn ich aber schon ein Meßgerät selbst baue soll es auch in der Lage sein eine Röhre richtig zu messen.

Was braucht man nun dazu:

- Netzteil -Ug1
- Netzteil Ug2
- Netzteil Ua
- Netzteil Heizung
- Netzteil Meßgeräte
- 4 Digitalmeßgeräte (Hochspannungsfest)
- Testfassungen
- Umschaltplatine

Eine lange Liste, die zeigt wie komplex das Projekt ist. Deshalb an dieser Stelle ein Hinweis: Das ganze ist nur realisierbar für Nachbauer mit sehr viel Elektronik Erfahrung. Auch sind die Spannungen sehr hoch und lebensgefährlich. Deshalb immer alle Sicherheitsvorschriften beachten.

Die Netzteile
Insgesamt werden 5 Netzteile benötigt. Das einfachste ist das Netzteil für die 4 Digitalvoltmeter. 4 x Sekundärwicklung (2 Dual Printtrafos), 4 x Gleichrichter mit Siebung fertig. Die Spannungsreglung findet auf der DVM-Platine direkt statt.
Das nächste Netzgerät ist für die Röhrenheizung. Historische Tester hatten hierfür Spezialtrafos mit mehreren Wicklungen. Das ist teuer und uneffektiv. Ich habe mich für einen Längsregler entschieden mit einem klassischen LM317 Design. So lassen sich die benötigten Spannungen problemlos einstellen und man kommt mit einem einfachen Trafo aus.
Die 3 nächsten Netzteile werden aus einem Trafo versorgt. Der muss 250V und 250mA liefern können. Die negative -Ug1 Spannung wird mit einem Trick (siehe Schaltbild) erzeugt um die zweite Wicklung zu sparen. Für die Regelung der Ua und der Ug2 wird ein LM317 spezial Konzept eingesetzt. Der Regler verträgt eigentlich nur 35V aber mit der Beschaltung nach einem 30 Jahre alten Datenblatt funktioniert er auch mit mehreren 100V.
Alle Netzteile müssen gut gekühlt werden. Die Verlustleistung der Längsrgler ist sehr hoch.

Die Meßgeräte
Die hohen Spannungen haben mich zunächst 5 LCD Panelmeter gekostet, alle futsch. Hingerichtet mit Spannungen bis zu 350V. Das halten die Billigteile nicht aus. Also brauchte ich auch hier eine Selbstbaulösung. Da es auch heute noch das uralt IC ICL7107 gibt, war schnell eine brauchbare Lösung gefunden. Die zwar ein paar Cent teurer ist als die Fertiggeräte aber dafür überleben sie den Meßbetrieb bei hohen Spannungen.
Es kommen zwei Ausführungen (Meßbereiche) zum Einsatz 0-999V und 0-999mV.

Die Schalter
Unterschiedliche Röhren haben unterschiedliche Sockelbeschaltungen. Über ein Bus-System kann an jeden Pin der Testfassung die Prüfspannungen angelegt werden. Hierzu benötigt man das Datenblatt der Röhre mit der Pinbelegung. Die Platine verfügt über eine Oktal-Fassung, eine Noval-Fassung und einen 9 poligen Anschluß für die Anbindung weiterer Fassungen.
Am aufwendigsten ist die Beschriftung der Schalterplatine. Aber mit einer CNC-Fräse kein Problem :). Kleines Video vom Fräsen der Beschriftung. Die erste Abdeckung für die Schalter war übrigens Schrott der Drehwinkel für die Schalter stimmte nicht. Deshalb sieht man auf den Bildern 2 verschiedene Varianten. Die Version die im Koffer verbaut ist war die Richtige :).

Der mechanische Aufbau
Für den Aufbau habe ich mich für einen Baumarkt Alu-Koffer entschieden. Der war groß genug für alle Komponenten. Der Aufbau erfolgte auf mehreren Ebenen, was auf den Fotos schön sehen kann. Der Aufwand ist aber nicht zu unterschätzen, ein stabiler Aufbau ist Pflicht. 3 Wochen bohren und fräsen sind mit allen Fehlversuchen verstrichen. Das Deckblech ist eine pulverbeschichtete 2mm Aluplatte. Als Basisplatte eine 2mm Pertinaxplatte.

Die Bedienung
Wie benutzt man den Tester nun?

1.Schritt

Tester ausschalten und gemäss des Datenblattes der Röhre über die 9 Drehschalter die richtigen Spannungen anlegen.

Ein paar Beispiele für gängige Röhren Typen:

Drehschalter EL34 ECC83
Triode 1
ECC83
Triode 2
E88CC
Triode 1
E88CC
Triode 2
Pin1 GND offen Ua offen Ua
Pin2 Heizung offen -Ug1 offen -Ug1
Pin3 Ua offen GND offen GND
Pin4 Ug2 Heizung Heizung Heizung Heizung
Pin5 -Ug1 Heizung Heizung Heizung Heizung
Pin6 offen Ua offen Ua offen
Pin7 Heizung -Ug1 offen -Ug1 offen
Pin8 GND GND offen GND offen
Pin9 offen offen offen offen offen

2.Schritt
Am ausgeschalteten Tester alle Spannungsregler auf Linksanschlag drehen. Tester einschalten.
Dann in folgender Reihenfolge die laut Datenblatt richtigen Referenzspannungen einstellen:

- Heizspannung einstellen
- Ug2 einstellen, wenn benötigt für die Röhre
- Ua einstellen

Jetzt kann die Heizung der Röhre eingeschaltet werden. Heizstrom und Spannung kontrollieren mit dem Meßgerät.
Mit dem Regler für die -Ug1 Spannung kann jetzt die Kennlinie der Röhre "abgefahren" werden. Sollte die Röhre defekt sein wird sich da wenig bewegen und Ia gegen Null bleiben.

Wie beurteilt man nun die Meßergebnisse?
Referenz sind die Werte aus dem Datenblatt:

Die Werte im Datenblatt werden zu >=100% erreicht = gut

Die Werte im Datenblatt werden zu >= 70% erreicht = brauchbar>
Die Werte im Datenblatt werden zu >= 60% erreicht = unterste Grenze
Weniger als 60% ist Schrott.


Wie schon oben erwähnt das ist kein Anfängerprojekt. Man muss über eine gut ausgestattete Werkstatt verfügen ansonsten scheitert man.

Wer Platinen benötigt kann mich gerne per Mail kontaktieren :

Schalterboard




Testaufbau -Ug1 Erzeugung


DVM Test






Testaufbau Netzteil




Platine






Beschriftung Schalterboard


Einbau in den Koffer


Alle Komponenten auf einen Blick